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Sevilla hat viele kulturelle Höhepunkte, welche man miterleben sollte. Nachdem wir schon die Semana Santa mit viel Begeisterung absolviert haben, konnten wir letztes Wochenende zwei Mal mit Freunden einer Corrida, einem Stierkampf, beiwohnen. Am Samstag waren wir bei einer normalen Corrida de Toros dabei und am Sonntag einer Corrida de Rejones. Erstere war ein, auch in der Schweiz bekannter, Stierkampf mit Toreros zu Fuss, welche sich sehr stark von der Corrida am Sonntag unterschied, bei der die Stierkämpfer hoch zu Ross ihre Kunst zeigen.
Sandra und ich sind uns bewusst, dass das Thema recht viele Emotionen hervorruft und von vielen Menschen als Tierquälerei angeschaut wird. Letzteres ist sicherlich nicht vollständig zu verneinen und wurde uns auch von Spaniern bestätigt. Überraschenderweise ist ein Stierkampf auch ein Anlass mit vielen Farben, Emotionen, toller Musik und einem teilweise sehr hochstehenden künstlerischen Streit zwischen Stier und Stierkämpfer, bei der nicht immer der Stier im Nachteil ist. Wir sind mit recht viel Vorurteilen an die zwei Anlässe gegangen und werden sicherlich nicht zu fanatischen Fans, aber zollen dem Gesamtanlass viel Respekt ob seiner Tradition, Schönheit und Ausdruckskraft.
Hier ein visueller Eindruck aus der Real Maestranza in Sevilla, welche eine Kapazität von gut 12.500 Zuschauern hat.
Am vergangenen Sonntag, dem Palmsonntag, hat nun in Sevilla (und in anderen spanischen Städten) die Semana Santa begonnen. Diese Osterwoche zieht sich bis zum nächsten Sonntag hin. Am „Ostermontag“ ist hier wieder Arbeiten angesagt. Dafür sind heute, gestern und auch morgen bei uns die Arbeitszeiten verkürzt, von 08.00 bis 14.00 Uhr. Donnerstag und Freitag sind Feiertage.
Am letzten Sonntag starteten also die ersten neun Prozessionen, auch Pasos genannt. Der Paso einer jeder Hermandad (Bruderschaft) führt von der Stammkirche durch die Kathedrale und wieder zurück. Einige Hermandades (davon gibt es übrigens bis zu 50 in Sevilla) brauchen für ihren Weg über 12 Stunden. Um die Prozession am selben Ort stehend vollständig zu sehen, benötigt man 1-2 Stunden!
Ein Paso besteht aus 1000 – 2500 Nazarenos, zwei Musikgesellschaften, zwei geschmückten Pasos und einigen Geistlichen.
Die Nazarenos tragen eine Spitzkapuze, wie sie vom Ku-klux-Clan bekannt ist und einen Umhang. Meist tragen sie eine lange Kerze, einige tragen auch ein Kreuz mit sich. Die ganz hartgesottenen tragen keine Schuhe, andere laufen den Weg in Socken. In einigen Hermandades ist es üblich, dass die Nazarenos nicht sprechen. Theoretisch können sie auch nicht essen und trinken.. ein richtiger Bussgang also.
Die Musikgesellschaften haben es natürlich Patrick angetan. Ein typischen Instrument dabei ist eine kleine Trompete, die statt einer Taste eine Schraube haben, welche gedreht wird. Dadurch entsteht hohe, für uns eher seltsame Töne. Wir haben aber auch Pasos gesehen, die lediglich von Oboen und Fagott begleitet wurden.. dies waren „Pasos del silencio“ (Stille Pasos) und das Publikum war mucksmäuschenstill. Patrick konnte es sich natürlich nicht verkneifen, sich mit Cd’s einzudecken. Neugierigen lassen wir gerne eine Kostprobe vorspielen.
Die Pasos sind die eigentlichen Protagonisten der Prozession. Die meisten Hermandades haben zwei Pasos. Am besten schaut man sich hier zuerst einige Bilder an. Auf dem ersten Paso wird eine Szene aus der Ostergeschichte Jesus dargestellt.. der zweite Paso ist der Heiligen der Hermandad gewidmet. Diese Meisterwerke werden von über 40 starken Männern getragen, welche sich unter dem Paso befinden. Eine unglaubliche Leistung, wenn man bedenkt, dass solch ein Paso einige Zentner wiegen muss und die Prozession zum Teil 12 Stunden gehen kann. Um sich von der Herrlichkeit dieser Pasos überzeugen zu lassen, braucht es wirklich Bilder.. in Worten ist das schwierig zu erklären.
Direkt vor und nach dem Paso laufen Geistliche mit Weihrauch, Kreuzen und Stäben. Immer sind auch einige Polizisten dabei, die den Weg für den Paso durch die Menge bahnen.
Die ganze Prozession hat einen klaren Aufbau. Zuerst laufen einige hundert junge Nachwuchsnazarenos, manchmal begleitet von einem Elternteil, der fleissig Wasser zum Trinken gibt. Dann läuft der erste Musikverein, den Paso mit dem Bild aus der Jesusgeschichte einläutend. Dann der Paso und dann folgen weitere Hunderte von Nazarenos. Dann folgt die nächste Musikgesellschaft, die Geistlichen mit Weihrauch und dann (für mich der Höhepunkt) der Paso mit der Heiligen. Dieser ist wunderbar geschmückt mit Dutzenden von Kerzen und Blumen. Hinten an die Prozession hängen sich dann oft weitere Mitglieder der Hermandad, die nicht als Nazareno unterwegs sind.
Natürlich muss solch ein Anlass auch gut vorbereitet werden. Die starken Männer trainieren mit einem Paso, beladen mit Beton, bereits schon im Winter. Nun gilt es den Takt für die kleinen Schritte zu finden und zu üben, um die Ecken zu laufen. Auch die Musikgesellschaften üben fleissig.. auch mal nachts
Die Stadt schmückt sich mit Blumen und der Hauptweg, den alle Hermandades bestreiten (die letzten 500 Meter bis zur Kathedrale) werden mit Logen und Stühlen bestückt. Wer sich kein Ticket ergattern konnte.. und dafür gibt es Wartelisten.. findet hier keinen Platz. Für uns gilt es also ausserhalb dieser Zone die Pasos zu betrachten.. aber keine Angst.. auch hier kriegt man viel zu sehen. Im Vorfeld werden kleine Heftchen abgegeben, in welchen die verschiedenen Hermandades aufgeführt sind und dargestellt wird, wann sie sich (so ungefähr) wo befinden.
Wie ihr sehen könnt, sind wir kleine Semana Santa – Fans geworden. Es gäbe ja noch so viel zu erzählen..
Frohe Ostern.. oder wie man hier sagt: FELIZ SEMANA SANTA
Das Beste gleich zu Beginn. Auf unserem letzten Wochenendtrip ans Meer, sahen wir auf unserer „Safari“ einen Delfin in der Flussmündung des Guadalquivir! Nun aber von vorn:
Voller Tatendrang starteten wir Richtung Meer mit vollstem Vertrauen ins Navi-Gerät. Doch plötzlich landeten wir auf einer ziemlich holperigen Strasse mit mega Schlaglöchern (eigentlich eher Schlaggruben), entlang an „im dunkelgrauen Bereich bewirtschafteten“ Erdbeerfeldern. Unser Auto, ein nigelnagelneuer Seat Ibiza hielt durch, dafür litten die Nerven von P.R. umso mehr. Nach ca 15 km Schüttelfahrt und zweimaligem Wenden, da Ziel falsch eingegeben.. kamen wir völlig „entspannt“ im Parador an.
Die Sonne war längst untergegangen, was blieb war ein kalter Wind.. aber ein gemütlicher und feiner Znacht.
Am nächsten Morgen trafen wir bereits um 8 Uhr am Startpunkt der „Safari“ ein. In einem Unimog (soll anscheinend den einen vom Militär her ein Begriff sein) zogen wir während vier Stunden durch den Nationalpark. Die ersten 20 Kilometer waren unberührter Sandstrand. Dann ging es von der Flussmündung (hier sahen wir den Delfin) flussaufwärts, anschliessend durch den Wald (hier gab es Hirsche, und Adler zu sehen). Mit Blick aufs Marschland sahen wir Flamingos und zum Schluss bretterten wir durch die Wüste. Wir sahen nicht wirklich viele Tiere, aber schöne Landschaften.
Am Nachmittag legten wir uns auf nen Liegestuhl an die Sonne und dösten dem Abend entgegen. Nach einer erholsamen Gesichtsbehandlung für die Dame, liessen wir uns den Znacht schmecken. Bereits nach dem Frühstück verliessen wir den Parador in Richtung Sevilla. Natürlich mieden wir die Holperstrasse.
Nun freuen wir uns auf die Semana Santa. Heute erhielt ich einen Crashkurs eines Arbeitskollegen über alles, was ich wissen muss. Sehr spannend! Bis bald!
Für alle Interessierten.. am 15. Juni kehren wir wieder in die Schweiz zurück, mit vielen schönen Bildern, Erinnerungen und (nem dicken Bauch).
